Swen Bastian :

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Romrods Kinderbetreuung von A bis Z :

Ortsverein

Die Spitze der SPD Romrod besucht Grundschulbetreuung, Krabbelgruppe und Kindergarten

Wie bereits Anfang August im Rahmen der Fraktionsklausur der Romröder SPD beschlossen, haben der SPD Fraktionsvorsitzende in der Romröder Stadtverordnetenversammlung, Arndt Planz, und SPD Ortsvereinsvorsitzende, Jörg Gaudl, ihren Rundgang durch die Großgemeinde gemacht und dabei die örtlichen Kinderbetreuungseinrichtungen besucht. Ziel der beiden ehrenamtlichen Politiker war es dabei, Fragen und mögliche Probleme, aber auch Gelungenes direkt vor Ort von den Verantwortlichen aufzugreifen bzw. zu erfahren.

Erste Station des Besuchs war um 8 Uhr der Elternverein "Betreuende Grundschule", welcher die Frühbetreuung der Schulkinder an der Romröder Grundschule organisiert. Hier konnte Gaudl die Kinder direkt erleben. Derzeit sind insgesamt 28 Kinder angemeldet, 18 Kinder besuchen die Frühbetreuung zwischen 7.30 Uhr und dem Stundenbeginn. Weiterhin nehmen 22 Kinder an der Ferienbetreuung teil, wie die Betreuerin Eleonore Westermann zu berichten wusste.
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v.l. Holger Schäddel, Monika Jurkowitsch, Jörg Gaudl, Eleonore Westermann - Fotografin Alexandra Wöll

Empfangen wurde Gaudl von dem Vorsitzenden Holger Schäddel, der Schatzmeisterin Alexandra Wöll und Vorstandsmitglied Monika Jurkowitsch. In einem sehr offenen und konstruktiven Gespräch konnte Gaudl erfahren, dass die Frühbetreuung ein essentieller Teil des Betreuungsangebots in der Grundschule darstelle. Für berufstätige Eltern sei das Angebot unverzichtbar, soweit beide Elternteile berufstätig seien. "Auch in Romrod sind die Familien kleiner geworden, so dass nicht mehr regelmäßig auf Großeltern zurückgegriffen werden kann, wenn der Arbeitsbeginn der Eltern und der Schulbeginn der Kinder kollidiert", so Schäddel. Weiterer Kernpunkt der Betreuung sei die pädagogische Mittagsbetreuung - kurz pMb, welche durch die Lehrerschaft und Frau Westermann geleitet werden. Die pMb, die durch das Kreisschulamt mitfinanziert werde, biete dabei neben einem Schulessen auch Arbeitsgemeinschaften an. In diesem Rahmen erläuterte Schatzmeisterin Alexandra Wöll das Finanzierungsmodell der Betreuung an der Grundschule. Dabei sei Frau Westerrnann durch den Elternverein beschäftigt, der wiederum seine Einnahmen aus den Beträgen der Eltern und Spenden beziehe. Obwohl das Gehalt von Frau Westermann über die pMb durch das Kreisschulamt quersubventioniert werde, habe der Verein ein durchschnittliches strukturelles Defizit von jährlich 1.000 Euro, was "durch Klinkenputzen für Spenden" gemindert werden müsse, so Wöll erklärend, "dieses Jahr konnten wir sogar mit einem kleinen Plus abschießen." Gaudl freute sich hierbei, dem Elternverein von der SPD-Romrod eine Spende von 50 Euro überreichen zu können. Betroffen machte Gaudl, dass er in dem Gespräch erfahren musste, dass nicht nur der Verein knapsen müsse, sondern auch Familien manchmal nicht das Geld hätten, um ihr Kind anzumelden. Zum Abschluss des Gesprächs äußerte Monika Jurkowitsch die Hoffnung, dass sich die Stadt Romrod zukünftig regelmäßig an der Vermeidung des Defizits beteiligen könnte. Gaudl sicherte zu, parteiübergreifend für das Anliegen auf kommunaler Ebene zu werben, wies aber darauf hin, dass Schulpolitik Landessache sei und man sich nur wünschen könne, dass das Land nach einem Wechsel wieder seine eigenen Aufgaben vollumfassend ernst nehme. "Wenn man Privat-Universitäten und Privat-Schulen finanziell fördert, unnötige Mittelbehörden wie ein Landesschulamt schafft und mit dem Betreuungsgeld falsch umverteilt, dann hat man eben kein Geld mehr, um für den Normalbürger staatliche Schulen mit guter Betreuung vor Ort zu finanzieren. Aber bevor man das zugibt, malt man lieber das Schreckgespenst einer Einheitszwangsschule an die Wand, ehe man einen ernsthaften Gedanken an eine Ganztagsschule verwendet, die sogar Bayern derzeit massiv ausbaut." so Gaudl abschließend.

An der zweiten Station des Tages wurde Gaudl bereits vom Fraktionsvorsitzenden Arndt Planz an der Krabbelgruppe "Wunderland", die Anfang diesen Jahres ihren Betrieb aufgenommen hat, mit dem Worten erwartet, "das Umfeld der Krabbelgruppe ist wirklich schön geworden." Empfangen wurden Gaudl und Planz in den hellen, freundlichen Räumen von den Tagesmüttern Ute Schindler, Barbara Schmehl und Julia Tubin.

v.l. Arndt Planz, Julia Tubin, Barbara Schmehl, Ute Schindler, Fotograf Jörg Gaudl

Beide Politiker konnten sich von dem großen Eigenengagement der Tagesmütter überzeugen, als sie einen Rundgang durch die von der Stadt Romrod angemieteten Räume gemacht haben. "Wir sind sehr froh, dass uns die Stadt Romrod diese Wohnung kostenfrei zur Verfügung stellt", so die Tagesmütter übereinstimmend. Das Angebot der Krabbelgruppe, welches durch den gesetzlichen Betreuungsanspruch für unter dreijährige Kinder- kurz U3 - entstanden ist, bietet für die Großgemeinde Romrod dreimal drei Plätze für Kleinkinder an. Dabei wird die Betreuungsstunde für Eltern mit fünf Euro angeboten, von denen die Tagesmütter noch ihre eigenen Kosten wie Steuer, Versicherung und teilweise Fortbildung finanzieren müssen. Für einkommensschwache Eltern gebe es eine Förderung. Hier zahlen die Eltern zwei Euro an das Jugendamt und einen Euro an das Wunderland direkt. Die Tagesmütter erhielten dann vom Jugendamt drei Euro und noch einen Euro von der Stadt, so dass die Tagesmütter mit dem Euro der Eltern wieder auf fünf Euro die Stunde kämen. "Sehr kompliziert und doch relativ gering, wenn man die hohe Verantwortung der Tagesmütter mit einbezieht", so Planz und Gaudl. Ein Umstand, der die Tagesmütter nicht glücklich macht und den die beiden SPDler mit Befremden aufnehmen. Eine gewisse Sorge macht den Tagesmüttern der Umstand der Selbständigkeit. "Man muss höllisch aufpassen, dass man nichts falsch macht. Da ist das Finanzamt, das die Einnahmen besteuern will und die Krankenkasse und Rentenversicherung, die gleich auf der Matte stehen, wenn man über den Grenzen liegt und sich selbst versichern muss.", konnte man von den Tagesmüttern vernehmen. Auf die Nachfrage und Auslastung der Einrichtung angesprochen, berichtete Ute Schindler, "Derzeit werden fünf Kinder bei uns betreut, wovon zwei Kinder eigene Tagesmütterkinder sind. Für die nahe Zukunft haben wir ausreichend Anmeldungen, so dass wir weder an die Kapazitätsgrenze nach oben oder nach unten stoßen." Dabei könne jeder Betreuungswunsch jedoch nicht erfüllt werden, da extreme Tagesrandzeiten von den Tagesmüttern nicht abgedeckt werden könnten. Erstaunt war Gaudl, dass die Nachfrage für die U3 Betreuung zu einem Großteil aus Nachbarkommunen komme und nur zu einem sehr geringen Teil aus Romrod selbst. Dabei zeigte sich Gaudl zuversichtlich, dass sich dieser Umstand mit fortlaufendem Betrieb ändern würde. Mit Verwunderung ließ sich Planz von einem Fall berichten, bei dem eine Krankenschwester in Ausbildung so viel verdiene, dass sie den Betreuungsplatz nicht gefördert bekomme. "Es kann doch nicht sein, dass schon eine Krankenschwester in Ausbildung so viel verdient, dass sie die Krabbelgruppe komplett selbst zahlen muss - gerade heute, wo händeringend nach Pflegepersonal in Deutschland gesucht wird", so Planz. Erfreulich wurde der Hinweis aufgenommen, dass die Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof reibungslos laufe. Bevor sie die schön gepflegte Außenanlage mit Sandkasten besichtigten, überreichten Gaudl und Planz auch hier eine Spende von 50 Euro und brachen auf zum nächsten Termin.

Dieser Termin sollte mit dem evangelischen Kindergarten den Abschluss des Rundgangs bilden. In der kirchlichen Einrichtung, deren Betrieb hauptsächlich durch die Stadt Romrod und die Kita-Gebühren finanziert wird, wurden Planz und Gaudl von Gemeindepfarrer Friedhelm Sames und Kindergartenleiterin Edith Hasenpflug empfangen.

v.l. Arndt Planz, Edith Hasenpflug, Friedhelm Sames, Jörg Gaudl

In dem sehr harmonischen Gespräch erläuterte Hasenpflug, dass derzeit 67 Kinder betreut würden und ab Januar aufgrund der bereits vorliegenden Anmeldungen mit 84 Kindern gerechnet werden müsse. Davon kämen derzeit zwei Kinder aus Nachbargemeinden. Weiterhin erfolge zurzeit die Betreuung in fünf Gruppen, von der es vier vormittags und eine nachmittags gebe. Die Betreuungszeiten von 7 Uhr 30 bis 17 Uhr würden weiterhin gut angenommen. Eine gute Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof unterstrich Hasenpflug gegenüber den beiden Besuchern. In Bezug auf Zusammenarbeit zwischen Pfarramt und Kitaleitung hob Pfarrer Sames die vertrauensvolle Zusammenarbeit hervor und sprach weiterhin von Romrod als einem Glücksfall, "Nicht nur die gute Basis in der Zusammenarbeit erfreut mich, sondern auch der Umstand, dass Romrod zu den wenigen Kommunen im Dekanat gehört, deren Einwohnerzahl momentan stabil bleibt". Diesen Punkt nahm die Runde zum Anlass über den demografischen Wandel zu sprechen und in die fernere Zukunft zu blicken. Einvernehmen herrschte dabei, dass irgendwann auch in Romrod die Kinderzahl zurück gehen werde. Hier könne eine Integration der U3 Betreuung dafür sorgen, dass der Kindergarten in seiner jetzigen Größe erhalten bleiben könne, erläuterte Gaudl, der hierbei auf die derzeitig flexibel gestaltete U3 Betreuung verwies. Von Pfarrer Sames geäußerte Bedenken, dass die heutige Beschlusslage der Kirche einer U3-Betreuung entgegenstünde, nahm Gaudl mit der Hoffnung auf, dass bis dahin auch die evangelische Kirche sich weiterentwickelt haben werde. Planz unterstrich hierbei, dass das Tagesmüttermodell so gewählte worden sei, dass nicht nur die ferne Zukunft des Kindergartens gesichert ist, sondern auch aktuell Baukosten im sechsstelligen Bereich eingespart werden konnten, weil man sich gegen den von der CDU/FWG favorisierten An- bzw. Umbau ausgesprochen habe. Von Kindergartenseite angesprochen, erläuterte Gaudl zum Tagesmüttermodell: "Das Wunderland ist gut angelaufen. Die Tagesmütter bestechen durch Freundlichkeit, Professionalität und hohes Eigenengagement. Dennoch wurde mir auch dort erklärt, dass sich längst nicht alle Eltern die Betreuung leisten könnten, auch wenn beide Elternteile gerne wieder arbeiten gehen würden. Daher betrachte ich aus sozialer Sicht das Tageselternmodell mit etwas Bauchschmerzen. Es wäre mir lieber, wir könnten alles in einer Hand zu einem akzeptablen Preis anbieten. Aber als Kommune muss man eben überlegen, welche Leistungen muss ich erbringen und wie kann ich diese Leistungen finanzieren. Wer bestellt, muss auch bezahlen." sagte Gaudl in Richtung Landes- und Bundesregierung. Nachdem sich Planz und Gaudl für das gute Gespräch und Pfarrer Sames dafür dankten, dass auch die Kirche trotzt eigenen Sparzwangs weiterhin die Verwaltungskosten des Kindergartens übernehme, überreichten sie Leiterin Hasenpflug ebenfalls eine Spende der Romröder SPD in Höhe von 50 Euro.

Im Nachgang zu den drei Besuchen waren Gaudl und Planz sich einig, dass sie die SPD zwar nun um 150 Euro ärmer, aber um viele Fakten reicher gemacht haben. "Wir haben eine lebenswerte und familienfreundliche Kommune mit einem nahezu allumfassenden Betreuungsangebot vorgefunden. Dabei kann man auf das ehren- und hauptamtliche Engagement der Verantwortlichen nur stolz sein. Leider sind gewisse Teile der Leistungen gezwungenermaßen sozial unausgewogen, weil unterfinanziert. Da gibt es Ehrenamtliche, die für einen Arbeitslohn sorgen müssen, Tagesmütter, die 5 Euro die Stunde einnehmen, obwohl sie viel mehr verdienten, Eltern, die Leistungen für ihre Kinder nur teilweise oder gar nicht in Anspruch nehmen können, weil das verfügbare Familieneinkommen einfach zu gering ist und das Ganze, obwohl Kinder und Familien die Zukunft einer jeden Kommune sind. Die beste sozialdemokratische Kommunalpolitik kann eben nicht fortlaufend das ausbügeln, was konservativ-liberale Landes- und Bundespolitik anrichtet.“, zogen beide Kommunalpolitiker nüchtern ein Resümee.